Aufenthalt im Hotel Castell Rundegg, Meran Von aussen und in den öffentlichen Bereichen macht das Castell Rundegg einen wunderbaren Eindruck. Das historische Gebäude versprüht Charme, der Speise- und Aufenthaltsraum ist stilvoll eingerichtet und auch der Pool lädt zum Verweilen ein. Umso grösser war die Ernüchterung beim Betreten des Zimmers. Ein beigefarbener Synthetikteppich, der roch, als wäre er eben mit einer grosszügigen Portion Chemie behandelt worden, eine geschmacklose Einrichtung mit dem Ambiente eines Kellerzimmers und als kleines Detail eine kaputte WC-Brille – das passte so gar nicht zum übrigen Erscheinungsbild des Hauses. Beim Nachtessen ging es ähnlich weiter. Offenbar war bei meiner Anmeldung etwas schiefgelaufen. Das Lammgericht, auf das ich mich gefreut hatte, war bereits ausverkauft. Als Alternative blieb nur noch ein Wienerschnitzel. Das Salatbuffet war ordentlich, allerdings war der Tomaten-Mozzarella-Salat ebenfalls schon vergriffen. Zum Salat bestellte ich bewusst einen Weisswein und erklärte dem Service ausdrücklich, mit der Hauptspeise zuzuwarten, damit ich anschliessend einen Rotwein bestellen könne. Diese Bitte wurde schlicht ignoriert. Kurz darauf stand das Schnitzel bereits auf dem Tisch. Die Präsentation erinnerte eher an eine durchschnittliche Landbeiz als an ein Haus, das auf seiner Webseite mit Gault-Millau-Ambitionen wirbt: ein Schnitzel vom Jungrind, Ofengemüse grosszügig in Olivenöl getränkt, ein paar matschige Kartoffelstücke – und als kulinarischer Höhepunkt ein Lorbeerblatt zur Dekoration. Den geplanten Rotwein konnte ich mir ebenfalls abschminken, weil sich schlicht keine Gelegenheit mehr bot, eine Bestellung aufzugeben. Vielleicht hatte ich einfach einen unglücklichen Abend erwischt. Wer sich jedoch ausnahmsweise ein Hotel gönnt, das mit gehobener Gastronomie wirbt, um etwas Besonderes zu feiern, erwartet mehr als eine Erfahrung nach dem Motto: Pech gehabt. Der versöhnliche Abschluss war immerhin das Frühstück im Garten – ein schönes Ambiente und ein reichhaltiges, anständiges Buffet. Schade, dass dieser positive Eindruck den Rest des Aufenthalts nicht mehr wettmachen konnte.
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